Roman Opalka
Treffpunkt Boulevard Nr. 79
« Je voulais manifester le temps,
son changement dans la durée,
celui qui montre la nature,
mais d'une manière propre à l'homme,
sujet conscient de sa présence
définie par la mort :
émotion de la vie dans la durée irréversible »

Roman Opalka : "OPALKA 1965/1"
Wer von uns hat nicht schon in Gedanken Schäfchen gezählt, wenn wir einmal gar nicht einschlafen konnten ? Man hat sich die Schäfchen vorgestellt und mit 1 2 3 und so weiter mit Zählen begonnen und vielleicht eine Herde mit über hundert Schäfchen zusammen gebracht, wenn's hoch kommt einige hundert. Tausende, Hunderttausende oder gar Millionen hat bestimmt niemand von uns gezählt. Kann man sich das überhaupt vorstellen, so weit zu zählen ? In Gedanken zählen oder gar schriftlich und dazu jede Zahl laut mitsprechen ?

Roman Opalka zählt, und das seit 37 Jahren !
1965 begann er seine immense Arbeit : er begann mit Zählen...1,2,3, usw.
"OPALKA 1965/1 "
Geboren wurde er 1931 in Frankreich als Sohn polnischer Eltern. Mit 15 Jahren kehrte er für einige Zeit nach Polen zurück. Heute lebt er wieder in Frankreich in der Nähe von Bordeaux.

Auf eine schwarz grundierte Leinwand schrieb Roman Opalka mit titanweisser Farbe die Ziffer 1, dann 2, dann 3 und so weiter. Bei jeder neuen Leinwand, die er braucht, gibt er ins schwarz vom Hintergrund ein Prozent mehr Zinkweiss hinzu. Seine Bilder werden so immer heller. Heute liest man die Zahlen auf einem hellgrauen Hintergrund. Irgendwann wird das Bild dann weiss sein, mit titanweissen Zahlen. Die hohen Zahlen werden dann nur noch beim Malen in noch nicht trockenem Zustand zu lesen sein. Die Bilder haben immer dieselbe Grösse, Opalka malt immer mit der selben Pinselgrösse mit immer dem selben Titanweiss. Die Ziffern sind etwa 5 Millimeter gross. 1968 begann der Maler mit Tonbandaufnahmen. Er sagt jede Zahl laut in seiner Muttersprache, auf polnisch, und will so die Zahlen auch hörbar machen. Und jeden Tag, an dem der Maler zählt, macht er zu Beginn mit einer fix installierten Kamera mit Selbstauslöser ein Foto von sich. Die Bilder zeigen einen Opalka mit immer helleren Haaren vor immer heller werdenden Bildern. So will er die Zeit in verschiedenen Techniken festhalten, die irreversible Zeit malen.

Heute, 37 Jahre später zählt Roman Opalka immer noch. Er hat die Millionengrenze längst überschritten, auch schon die Zahl 6'000'000 hat er geschrieben.
Einige hundert Leinwände sind bemalt. Besondere Augenblicke erlebt der Künstler, wenn er gleiche Ziffern hintereinander fügen kann: z.B. fünfmal die 5, oder sechsmal die 6. Gerne möchte er noch siebenmal die 7 malen. Achtmal die 8 ist schon unmöglich, die Zahl ist zu weit entfernt. Immerhin ist Opalka schon 72 Jahre alt. Zahlreiche Ausstellungen in der ganzern Welt lenken ihn von seinem Malen ab. Eine Ausstellung seiner Werke ist auch an der Expo.02 zu bestaunen: in Murten, unterhalb des Berntores steht ein achteckiger Pavillon mit seinen Zeitdokumenten.
Roman Opalka
Bericht von Theres Studer