Unsere Freiburger Redaktion durfte sich mit dem Weltranglisten-Ersten Roger Federer in Gstaad, abseits vom grossen Tummel, unterhalten.
Gespräch und Fotos:
Wie sieht Deine körperliche Vorbereitung zwischen den Turnieren aus ? Das ist eigentlich ganz einfach; ich bewege mich alle Tage ein bisschen. Nächste Woche, nach dem Turnier in Gstaad, habe ich Ferien. Während dieser Zeit werde ich nichts tun. Aber danach werde ich wieder trainieren müssen, um Verletzungen zu vermeiden.
Wie wir wissen, hast Du zur Zeit keinen Trainer. Brauchst Du noch einen, trotz Deiner ausgezeichneten Resultate ? Nein, im Moment geht es sehr gut auch ohne Trainer. Ich werde jedoch einen Coach fürs nächste Jahr suchen...
mal sehen.
Übst Du noch einen anderen Sport neben dem Tennis aus ? Ja. Zwischendurch spiele ich manchmal Tischtennis - zur Entspannung. Ausserdem spiele ich gerne Fussball, Squash und, wenn ich die Möglichkeit habe, gehe ich skifahren.
Ich muss sehr aufpassen, mich nicht zu verletzen, aber ich freue mich, wenn ich dafür Zeit finde.
Hast Du unter Deinen direkten Gegnern in der Tenniswelt auch Freunde ? Ja, zum Glück spreche ich drei Sprachen (deutsch, französisch und englisch), das erleichtert die Kontakte. Ich komme mit den meisten Spielern, die natürlich auch meine Gegner sind, sehr gut aus.
Es gibt keine eigentlichen Rivalitäten; damit habe ich kein Problem.
Ich habe doch ziemlich viele Freunde.
Jeder Elitesportler entsteht durch Talent und durch Arbeit. Wie ist das in Deinem Fall ? Wieviel ist dem Talent zuzusprechen, wieviel der Arbeit ? Ich meine, dass im heutigen Tennis das Talent allein nicht mehr ausreicht. Vor dreissig Jahren hätte das vielleicht gereicht, aber nicht heutzutage. Der Sport ist zu professionnel geworden.
Heute muss jeder hart arbeiten, um gute Resultate zu erreichen und Karriere zu machen. Das Talent hilft anfangs sehr, wenn man bei den Junioren beginnt. Nachher muss man hart arbeiten, um sich ständig zu verbessern : Am Körper, am Mentalen, etc. Und dann heisst es Tennismatches spielen und vorwärts kommen.
Man spricht viel von Doping im Elitesport. Hast Du einen Ratschlag für junge Sportler, damit sie nicht auf diesen falschen Weg geraten ? Ich weiss nicht einmal, was Doping ist, ich habe wirklich keine Ahnung. Ich kann nur sagen, dass man immer sehr darauf achten muss, was man einnimmt (Medikamente, Vitamine, etc.)
Wir hatten ein paar kleine Probleme mit gewissen Vitaminen, die auf den offiziellen Listen stehen. Man muss immer überprüfen.
Erzähle uns von der Stiftung (Roger Federer Foundation), die Du im letzten Dezember gegründet hast. Diese Stiftung habe ich letzte Weihnachten gegründet; sie ist also noch ganz neu. Sie ist zu Gunsten von Kindern in Südafrika, die nicht zur Schule gehen können. Ich möchte möglichst viel Geld sammeln, um diese Situation zu ändern.
Südafrika ist ein Land, das ich gerne kennen lernen würde ; meine Mutter stammt von dort. Meine Eltern sind letztes Jahr dorthin gereist, um sich zu versichern, dass es eine gute Sache wäre, dort diese Stiftung zu gründen.
Die «Roger Federer Foundation» ist eine Partnerschaft mit der südafrikanisch-schweizerischen Hilfsorganisation IMBEWU eingegangen. IMBEWU setzt sich seit 2001 für die Verbesserung der sozialen Bedingungen für Kinder und Jugendliche in der Township New Brighton bei Port Elizabeth, Südafrika, ein.
Die Roger Federer Foundation wurde im Dezember 2003 mit dem Ziel gegründet, einerseits Projekte zugunsten mittelloser Kinder zu finanzieren und anderseits den Jugendsport zu fördern.
Das erste Projekt, das Roger Federer im Rahmen seiner noch jungen Stiftung unterstützt, passt ideal zu den Zielen, die er sich mit seinem karitativen Engagement gesetzt hat: «ich habe in meiner noch kurzen Tenniskarriere bereits viel gewonnen. Mit meiner Stiftung möchte ich etwas zurückgeben, unter anderem denjenigen, die am wenigsten haben. Ein Projekt in Südafrika habe ich gewählt, weil meine Mutter in diesem Land aufgewachsen ist und ich deshalb immer eine enge Beziehung zu Südafrika hatte. Südafrika ist für mich aber auch Vorbild für einen Staat, der Hass und Unterdrückung überwunden hat. Das kann Ansporn für andere Krisenregionen auf der Welt sein. Es ist mir auch ganz wichtig, dass ich über IMBEWU konkrete und fassbare Hilfe zur Selbsthilfe in einer sehr armen Gegend leisten kann. Der absolut grösste Teil der Unterstützung kommt direkt den Kindern und Jugendlichen zugute.»
Die Partnerschaft der Stiftung mit IMBEWU beginnt Anfang Juni 2004 und ist längerfristig angelegt. Sie konzentriert sich auf drei Bereiche: 1. Eine Patenschaft für rund 30 Kinder. Damit wird diesen Kindern der Schulbesuch und zwei Mahlzeiten pro Tag ermöglicht. 2. Die Finanzierung der Löhne von zwei leitenden einheimischen Mitarbeitern von IMBEWU in Südafrika, die bisher unentgeltlich gearbeitet haben. 3. Die Anschaffung von Büroinfrastruktur für die lokale IMBEWU-Organisation.