Tea time
Treffpunkt Boulevard Nr. 123
Die Teepflanze kommt ursprünglich aus dem südlichen China heimisch, wird heute aber auch in vielen anderen asiatischen Ländern angebaut, ausserhalb Asiens dagegen bisher kaum. Er wird überwiegend kultiviert in Indien, China und Japan sowie auf Sri Lanka.
Der Baum wird etwa 600 cm hoch, jedoch in Kultur wird der Tee nur als Strauch gezogen, mit gezähnten, elliptischen, bis zu 10 cm langen Blättern. Die weissen Blüten werden bis zu 3 cm gross.

Die Weltproduktion an Tee liegt zur Zeit bei etwa 2.300.000 Tonnen und damit bei etwas mehr als einem Drittel der Kaffeeproduktion.

Der grösste Produzent ist Indien mit etwa 630.000 Tonnen, gefolgt von China mit 490.000 Tonnen. Geerntet werden die obersten Spitzen der jungen Triebe (eine Knospe, 2 Blätter). Der Schwarze Tee unterscheidet sich vom Grünen Tee lediglich dadurch, daß er nach dem Ernten noch fermentiert wurde.

Tee wird bis zu dreimal jährlich geerntet: im Frühling (first flush), im Sommer (second flush) und im Herbst (autumnal).
Der Zeitpunkt des Pflückens beeinflusst Farbe und Geschmack des Tees. Das Teepflücken ist ein Handwerk, das beträchtliche Erfahrung erfordert und meist von Frauen ausgeübt wird. Bei Spitzentees wird jeweils nur die Knospe jeden Triebes mit zwei Blättern geerntet. Maschinelle Ernteverfahren kommen nur zur Erzeugung von billigstem Tee zum Einsatz.
Teezubereitung und Teegenuss
Frisches Wasser zum Kochen bringen. Weiches Wasser ist besser als hartes. Frisches Leitungswasser genügt, bei Verunreinigungen durch Kalk empfiehlt sich mitunter der Einsatz eines Wasserfilters.
Eine grossvolumige Teekanne mit Deckel mit kochendem Wasser gut vorwärmen. Am Besten benutzt man Teegeschirr aus gutem Porzellan.
Die Teekanne sowie das gesamte Teegeschirr nie für etwas anderes als für Tee verwenden. Kräutertee und aromatisierte Tees sollte man in einem anderen Geschirr aufbereiten. Teekenner verwenden für verschiedene Tees auch verschiedene Kannen, da ein dominanter Tee, wie z. B. Assam einen Darjeeling geschmacklich übertönt.
Tee ist besonders stark aromaempfindlich. Deshalb sollten die Teeblätter immer in trockenen und geschlossenen Behältern dunkel, trocken und kühl aufbewahrt werden. Tee gilt bis zu vier Jahre nach der Ernte als frisch, wenn er richtig gelagert wird.
Vorsicht vor der Nähe zu allen anderen Gewürzen, Aromen und Küchengerüchen. Auch der aufsteigende Dampf vom Herd oder Spülbecken schadet dem Teearoma. Bereits beim Einkauf sollte man auch den originalverpackten Tee von parfümierten Wasch- und Putzmitteln gut trennen.
Für die Teezubereitung gilt als Richtschnur: Pro Tasse einen Teelöffel Teeblätter aufbrühen. Sinnvoll ist es, selber zu experimentieren,
da der Geschmack des Teeaufgusses vom verwendeten Tee, vom Wasser, vom Erntejahr des Tees und vom persönlichen Geschmack abhängt.
Schwarztees immer mit kochendem Wasser aufgiessen; bei Grüntees und halbfermentierten Tees sollte das Wasser 65 bis 90 Grad °C haben, um die wertvollen Inhaltsstoffe und den Geschmack zu erhalten. Manche japanischen Grüntees werden sogar mit nur 50° aufgebrüht. Um die gewünschte Wassertemperatur zu erreichen,
einfach eine entsprechend kleinere Menge Wasser zum Kochen bringen und vor dem Aufgiessen mit kaltem Wasser auffüllen. Bei einigen Sorten verbessert sich der Geschmack, wenn man, wie in Asien üblich, den 1. Aufguss sofort wegkippt und dann nochmals aufgiesst. Dies nimmt grünem Tee den manchmal bitteren Geschmack. Aus Geschmacksgründen sollte grüner Tee etwa 2 - 3 Minuten ziehen.
Für Schwarztee und halbfermentierte Tees (Oolongs) gilt: Zwei bis fünf Minuten ziehen lassen. Je nach Dauer wirkt der Tee unterschiedlich stark anregend. Die alte Regel, dass bis zu drei Minuten gezogener Tee anregend wirkt, er ab fünf Minuten aber beruhigt, ist nur bedingt richtig. Tatsächlich geht in den ersten zwei bis drei Minuten vor allem das Koffein (früher auch Teein genannt) in Lösung und sorgt so für den anregenden Effekt. Die im Teeblatt enthaltenen Gerbsäuren lösen sich erst danach und wandeln dabei das Koffein in eine wasserunlösliche Form um. Je länger der Tee zieht, um so geringer wird der Anteil an physiologisch "nutzbarem" Koffein. Der 5-Minuten-Tee wirkt also nicht beruhigend, sondern lediglich nicht anregend.
Man sollte den Tee sofort geniessen, denn man kann ihn nur schlecht warmhalten, egal was man auch dafür tut,
der abgestandene Tee schmeckt einfach nicht mehr so gut. Lieber nur weniger Tee auf einmal zubereiten,
jedoch immer wieder frisch.
Grüner Tee wird üblicherweise pur getrunken, zum schwarzen Tee wird oft Zucker, Honig, Milch, Rahm, Zitrone nach persönlichem Geschmack hinzugefügt.
Kandiszucker oder brauner Rohrzucker gelten als besonders geeignet. Ungeeignet sind Kondensmilch und Kaffeerahm.
Teebeutel sind zwar praktisch, gelten aber nicht als wirklicher Ersatz für den guten, aromatischen, offenen Tee, da für Teebeutel in der Regel minderwertige Fannings ("Teestaub", -reste) verwendet werden.
Instanttees bestehen meist zum grössten Teil aus Zucker und haben mit Tee nur sehr wenig Verwandtschaft, daher auch Vorsicht bei Kindern (wegen Kariesgefahr).
Eistee wird als Erfrischungsgetränk immer beliebter und kann leicht selbstgemacht werden: Doppeltstarken Tee frisch zubereiten und nach dem Ziehen über die gleiche Menge Eiswürfel giessen,
nach Belieben mit Fruchtsaft, z.B. Zitronensaft und/oder Zucker abschmecken. Bei den zum Kauf angebotenen "Ice Teas" handelt es sich in der Regel um Zuckerkonzentrate mit künstlichen Aromen.
Wasserqualität ist beim Tee entscheidend für den Geschmack. Ein Auftritt des Wilhelmshavener Teehändlers Bakker bei der Fernsehshow Wetten dass..? am 10. Dezember 1983 blieb der Fernsehnation unvergessen.
Bakker konnte seine Wette nicht gewinnen, da ihm sein Wasser im Zug gestohlen worden war, dies wurde zu Unrecht als Ausrede gesehen. In Regionen mit sehr kalkreichem Wasser bildet sich auf Tee ein Film und der Geschmack ist minderwertig. Dies gilt vor allem für die weniger gerbsäurehaltige Teesorten wie den Darjeeling, während beispielsweise Assam sehr viel weniger empfindlich auf hartes Wasser reagiert.
In England wird der Tee gerne mit Milch genossen. Der britische Earl Grey war der erste aromatisierte Tee, dem inzwischen unzählige Aromavarianten gefolgt sind. Teils wird mit natürlichen Ölen aromatisiert, aber unzählige Varianten stammen aus dem chemischen Labor.
Für aromatisierten Tee werden weniger feinaromatische Tees verwandt, die oft aus verschiedenen Anbaugebieten und Ländern zusammengemischt werden, sogenannte "Blendings". Dies ist sinnvoll, da der Tee z. B. nach Erdbeeraroma schmecken soll; der Grundgeschmack tritt dahinter zurück.
Tee und Gesundheit
Seit einigen Jahren gibt es die Vermutung, dass der Genuss von Tee förderlich für die Gesundheit ist. So nimmt man an, dass Tee die Gefahr an Krebs zu erkranken, vermindern kann, da in den Teilen der Welt, in denen viel Tee getrunken wird die Inzidenz für bestimmte Krebsarten geringer ist, als im Rest der Welt. Für die Krebs-präventive Wirkung werden insbesondere die in manchen Teesorten natürlicherweise enthaltenen Polyphenole vermutet. Es konnte gezeigt werden, dass diese Stoffe das Wachstum von Krebszellen hemmen. Für diese Hypothese gibt es nun auch wissenschaftlichen Rückenwind:
eine Studie an Patienten mit Prostatakarzinom, die am "Center for Human Nutrition an der UCLA's David Geffen School of Medicine" durchgeführt wurde, konnte zeigen, dass das aus dem Tee stammende EGCG in den Tumoren nachweisbar war und das Zellwachstum hemmte. Offensichtlich zeigte hierbei schwarzer Tee eine etwas stärkere Wirkung als grüner Tee, das Placebo (ein Soda-Getränk) zeigte keine Wirkung. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass grüner Tee und Schwarztee helfen können, Prostatakrebs zu verhüten.
Einer Studie der Cheng Kung Universität in Taiwan zufolge senken bereits zwei bis vier Tassen Tee pro Tag das Hypertonie-Risiko um 46 Prozent; höherer Konsum senkt das Risiko gar um 65 Prozent. Die Studie wurde bei über 1500 Personen durchgeführt.